Meine Tour um den
M a n a s l u
17 Tage



1. 11.08, Samstag Kathmandu - Dhading ca. 3,5 Stunden mit Minibus


1. Tag, Sonntag, 2.11.08, Dhading - Arughat Bazar - Soti Khola         - Dhading - Arughat-Basar    ca. 4,5 Stunden mit Bus                                                   Höhe in m über NN      -Wanderung     Arughat Bazar - Soti Khola     570 - 730m
2. Tag Mont, 3.11. 08, Soti-Khola - Machhakhola 730 - 930
3. Tag, Di., 4.11.08, Machhakhola -Tatopani    930 - 990m
4. Tag, Mittwoch, 5.11.08, Tatopani - Philim      990 - 1370m
5. Tag, Donnerstag, 6. 11. 08, Philim - Deng    1370 - 1860m
6. Tag, Freitag, 7.11.08 Deng - Namrung         1860 - 2540m
7. Tag, Samstag, 8. 11. 08 Namrung - Sama    2540 - 3390m
8. Tag, 9. 11. 08, Sonntag, Sama.                          3390
9. Tag, 10.11. 2008, Mo., Sama Gaon - Sando 3390 - 3690
10. Tag, Dienstag, 11. 11. 2008, Samdo - Dharamsala                                                                              3690 - 4460m
11. Tag, 12. 11. 2008, Mittwoch, Dharamsala - Larkya La                 -Bimtang                              4460 -4930 - 3590m
12. Tag, 13. 11. 2008, Bimtang - Tillje             3590 - 2300m
13. Tag, Freitag, 14. 11. 08, Tillje - Tal            2300 - 1680m
14. Tag, Samstag, 15. 11. 08, Tal - Jagat         1680 - 1300m
15. Tag, Sonntag, 16.11.08, Jagat - Bhulebule     1300m -
16. Tag, Montag, 17. 11.08, Bhulebhule - Besisahar    - 650m
17. Tag, Dienstag, 18. 11.08, Besisahar - Kathmandu                    ca. 5 Std. Busfahrt
also 17 Wander-Tage
            und zwei reine An- und Abreise-Tage im Bus

 

Karte: Wanderung entgegen dem Uhrzeigersinn


Tagebuch von der Wanderung


1. 11.08, Samstag Kathmandu - Dhading
Ich bin jetzt der Wanderung ein gutes Stück näher gekommen. 3 ½ Stunden Fahrt im Local Bus für 150 Rs. liegen hinter mir. Ich wartete ab ½ 12 in meinem Hotel auf „den Boss“ und Rama, meinen Porterguide. Die kamen eine gute Stunde später als vereinbart. Wieder hatten sich Ängste eingestellt. Und dann ging´s zügig los. Wir nahmen eine Taxe zu der Stelle wo jene Busse abfahren, irgendwo außerhalb des Zentrums für 200 Rs. Ich hätte das allein nie gefunden. Rama und ich schienen zu den ersten zu gehören. Im „Bus“ war es eng und schön, an die 16 Passagiere waren in so einem Mini-Bus, eine Art Toyota, wie Andrea und Leo auch einen haben. Pause wurde nicht gemacht. Plötzlich waren wir am Zielort und Rama schien auch überrascht zu sein. Das Zimmer kostet 400 Rs, also 4 $, ist es nach hiesigen Maßstäben eigentlich nicht wert, zwar ein Fernseher, aber nur Gemeinschaftsbad und dann in der Einöde, aber was weiß ich, wie die anderen zwei, eines habe ich gesehen, ausschauen. Ich habe mich unter kaum hörbaren Murren gefügt, was soll das auch, wenn es eigentlich keine Alter-native gibt. In dem Klo hatte man sich natürlich auch zu waschen. Ob ich dafür morgen früh auch die Lust, Kraft und Energie aufbringen werde? Das ist ja immer eine Frage des Leidensdruckes und schließlich bin ich erst um 12. 45 Uhr vom Hotel in Kathmandu losgefahren. Der Count Down hat begonnen -eigentlich schon ein wenig mehr-. Manchmal sagt man ja so: „Der Ort hat was“, in diesem Fall würde ich eher sagen, „er hat nichts“. Ich sitze oben auf der Dachterasse, schon als ich von meinem kleinen Spaziergang heimkehrte, wurde ich durch Gesten aufgefordert, Wünsche zu äußern. Ich bat um Tee. Ich war noch gar nicht ganz oben in meinem Zimmer, da wurde mir schon ein Glas mit Untersetzer hochgebracht, es erwies sich als Kaffee, süsser Kaffee.[Iihh!] Ich hoffe, er raubt mir nicht den Schlaf. In der letzten Nacht ist mein Soll ja wieder eher zu kurz gekommen. Lange Zeit gab es laute Musik, gar nicht mal so schlecht. Am Morgen hatte ich mehrfach versucht, das Paßfoto abzu-geben, [Ungefähr fünf mit Paßfotos ausgestattete Permits - gegen entsprechende Gebühren - waren auszustellen und zu erwerben.] aber das Büro von Eco war noch geschlossen, der Bankautomat außer Funktion. 20 000 Rs bezahle ich, es bleibt also ein Rest von 18 Tausend Rs.

Wieder interessante Ausblicke aus dem Bus, obwohl sie sich kaum von jenen unterschieden, an die ich mich noch von 2000 her erinnere. Irgendwann ging´s von der großen in Richtung von Pokara verlaufenenden Bergstraße rechts ab, dann war es eigentlich nicht mehr allzuweit. Besonders fielen mir jene ungezählten Busse auf, deren Dächer durch viele Menschen besetzt waren. Der private PKW-Verkehr schien sich doch sehr in Grenzen zu halten. Die jungen Frauen und die mittleren Alters haben mich wieder verzaubert, die ersteren waren wohl eher Schulmädchen. Als wir dann den Kleinbus verließen, schien es mir sehr heiß zu sein. Interessant war das Internet-Cafe mit 4-5 PC-Plätzen, alle dicht von 10-11jährigen Jugend-lichen umlagert. Wahrscheinlich war es gar kein internet-Cafe, der PC bietet ja für Jugendliche auch sonst genug Kurzweil und Probleme, sich an ihm auszuprobieren. Hatte mir am Abend in Dhading Brennesseltee bereitet.

1. Tag, Sonntag, 2.11.08, 19. 21 Dhading - Arughat Bazar - Soti Khola
Jetzt bin ich endlich auf der Strecke. Die Busfahrt bis nach Arughat, von 8. 30 - 13. ooh, war ein Abenteuer für sich. Es war ein großer Bus, offenbar war aber der Anlasser defekt und es war nicht selten, daß der Motor ausging. - und jedesmal musste es durch Anrollen, oft auch in rückwärtiger Richtung, gelingen, den Motor wieder zu starten. Zuweilen war auch kein Gefälle da, da war guter Rat teuer, aber angekommen in Arughat sind wir trotzdem. Ein wirklich langes Stück der Route war einspurig und die Rück-setzmanöver füllten die Fahrt, es war bergiges Gelände, teils Dschungel, oft auch steil fallende Serpentinenstraßen, immer wieder Ausblicke auf die Schneegiganten, die sich aus dem Himalya herhoben. Wie schon gestern fiel mir auch heute wieder die Belegung der Dächer entgegenkommender Busse durch Passagiere auf. Neben der Ladung und dem Gepäck waren die Dächer fast immer durch Passagiere voll besetzt. Die Fahrt war nicht langweilig, große Schulmädchen in Uniform stiegen ein und aus, in der gleichen Kleidung auch jüngere. Die Hefte und Bücher knapp zusammen gepackt unter dem Arm. Auch Tiere, z.B. ein lebender Hahn, gehörten zum Gepäck der Passagiere, und die Farben der Kleidung der Frauen, ihre Saris und Röcke, zogen immer wieder meine Blicke auf sich. Mal sehen, ob die Fotos auch was hergeben. Ein hoher Berg mußte über zahllose Serpentinen durch den Bus überquert werden, danach ging´s über eine schmale Brücke und anschliessend, so gegen ½ 12 wurden noch direkt an der Flußbrücke 20 Minuten Pause gemacht.. Und dann in Arughat ging´s los. Eine gewisse Unsicherheit gab es schon bis sich Rama zum ersten Check In der Tour durchgefragt hatte. Gleich danach wechselte ich die Schuhe, tauschte die Sandalen gegen die Bergschuhe und entledigte mich auch gleich der beiden Hosenbeine. Für 50 Rs. erstand ich noch drei Äpfel. An die vier Stunden liefen wir, einmal kam uns ein Jeep entgegen. Man kann Gott sei Dank sagen, daß auch diese Strecke für Busse und PKW noch ungeignet ist. Die erste Übernachtung war besonders eindrucksvoll, die Kochstelle dicht beim Haus, aber doch etwas von ihm entfernt erschien mir so sinnvoll angelegt. Am Morgen sah ich wie die Bäuerin aus Sahne, aus Rahm, Butter herstellte, sie machte es sehr geschickt, das Gefäß mit dem Rahm war am Tisch befestigt und eine Schnur hielt den Quirl, indem sie mit den beiden Händen jene Schnur nach links oder rechts zog, drehte sich der Quirl. Der ganze Vorgang wurde in sitzender Stellung durchgeführt, so daß ihre Füsse den Topf stützten. Überhaupt war ich Zeuge von Teilen des Familienlebens, zwei kleine Kinder waren da, ein reizendes kleines Mädchen, kaum fünf Jahre alt und ihr gut zwei Jahre jüngerer Bruder. Die Art wie jene Tochter mit ihrem Vater schmuste und sie gemeinsam die Mahlzeit assen, oder wie sie lernbegeistert in Büchern blätterte, all das war herrlich und traulich zu beschauen. Als ich entdeckt hatte, daß sie über eigene Milch verfügen, bat ich über Rama die Dame des Hauses, mir davon ein Glas zur Verfügung zu stellen. Leider haben sie diese warm gemacht, was mir eigentlich nicht recht war, zumal sie dabei leicht anbrannte, aber andererseits weiß man ja auch nie wozu das zum Beispiel gerade gut war, denn bevor bei uns die PASTEURisierung der Milch gesetzlich (?) vorgeschrieben wurde, war Tuberkulose eine Massenkrankheit, an der viele, viele Menschen starben und TBC wurde wohl vielfach auch über die Milch übertragen. Um 19. 30Uhr waren dann alle mit der Mahlzeit fertig, meine Milch war da noch so heiß, daß ich erst einmal auf’s Abkühlen warten mußte. Stichworte im Tagebuch: Kinder, Kinder, Kinder; Feldarbeit; Maultiere, einzelnes Motorrrad, ein mal Schuhe aus wegen Flußüberquerung,; Reis, 2 Gemüsearten, Brühe.

2. Tag Montag, 3.11. 08, Soti-Khola - Machhakhola
8-16.00 Uhr, runde 7 Stunden, wobei ich einen kleinen Teil der Strecke doppelt gelaufen bin. Es ging immer am Bhudi Gandaki River entlang zuletzt war vor uns eine Karawane von etwa 20 Maultieren. In einem gemächlichen Tempo trugen sie ihre Ladung, was insofern angenehm war, als wir sie auch nicht schneller sein konnten, denn an ein Überholen war nicht zu denken. Wir passierten mehrere Hängebrücken, fast alle wirkten modernisiert. Kurz hinter dem Ortsausgang stiegen wir im Hotel „Camping“ ab, bei meinem ersten Bier schaute ich zu, wie für eine ebenfalls kleine Gruppe, ein Mann und eine Frau, die Zelte aufgebaut wurden.

 

 

 

 

 

 



3. Tag, Dienstag, 4.11.08, Machhakhola -Tatopani

Gegen Acht ging es bei feuchter Witterung los, aber schon um 11 Uhr als ich gerade Tatopani („heißes Wasser“) erreichte, verstärkte sich der Regen spürbar, was ich zum Anlaß nahm, meinen schon in Berlin, eigentlich ja Spoleto, ausgearbeiteten Tourenplan tatsächlich umzusetzen und schon hier den Tagesmarsch zu beenden, und mich nach dem Nachtlager umzusehen. Es gibt hier, wie der Name schon sagt, heiße Quellen.        

Bis Jagat sind´s fünf Stunden, und ich dachte, das reicht auch für Morgen, der gestrige Tag war lang (und schön), da kann man ruhig mal kurzer treten, obwohl das ja heute nun wirklich sehr wenig war.

Der Weg ging immer mit ständigen Ab- und Aufstiegen links-seitig am Budhi Gandaki, fluß- und bergaufwärts, entlang. Die Batterie meines Höhenmessers, den ich erst vor vier Wochen bei Globetrotter am Rathaus Steglitz erstanden habe, scheint schon dem Ende zuzugehen, ungenaue Anzeige. Ärgerlich und normal, ich hatte mir den vollwertigen Zustand der Batterien zusichern lassen. Und hier in den Bergen ist an Ersatz überhaupt nicht zu denken. Aber solche Schnurpfeiffereien, wie mein Großvater gesagt hätte, sind ja auch nicht wirklich notwendig und erweisen sich jetzt als herausgeworfenes Geld. Am Morgen bereitete ich mir erstmals mein aus Berlin stammendes Müsli. So genügten mir zum Frühstück dann zwei black Tea. Alles in allem waren für Bier, Übernachtung und Tee 5 $ zu zahlen. Ich schlief in einem zur Seite in breiter Front offenem Raum. Ich brauchte mich nur über die halbe Brüstung leicht zu erheben und konnte die Tiere und Menschen, die gelegentlich mal den Weg gingen sehen. Eine Toilette gab es nicht, und ich suchte mir auf den Feldern ein mir geneh-mes Örtchen, zum Glück hatte ich ja die feuchten Aldi-Tücher eingesteckt. Meine leichte Erkältung hält an, nervt mich aber nicht, es gibt keinen Ansatz von Halsschmerzen- Prophylaktisch achte ich darauf, viel zu trinken. Der Regen hielt den ganzen Tag an und bestätigte mich in meiner Entscheidung.(..)

                             

4. Tag, Mittwoch, 5.11.08, Tatopani - Philim

Ca. 15. 15 Uhr wird´s gewesen sein, als wir in Ph. eintrafen. Schon Jagat war ja ein sauberes ansprechendes Dörfchen; obwohl Philim etwas größer zu sein scheint, fehlt es ihm doch an jenem historischen Flair der alten Gemäuer und Häuser jenes Ortes.

Um 17 Uhr wird der Strom angestellt, jedes Haus, jeder Hof, darf nur kleine Portionen Energie entnehmen. Philim verfügt über die „Kreis“(?)- Schule mit 275 Schülern, Klasse 1-10; ich traf einen mir doch recht einfältig erscheinenden Lehrer. 20 Jahre alt, er unterrichtet seit einem Jahr auf dieser Schule, seine Frau, wie er sagte, ebenfalls. Wieviel er verdient, wollte er nicht sagen. Wann dieses Schul-system eingeführt wurde, wußte er auch nicht, also über Geschichte, mir naheliegende historische Fragen seines Landes - Null Kenntnisse. Vielleicht ist er ja ein guter Pädagoge, der mit den ihm anvertrauten Kindern gut umgehen kann, und ihnen ein Stück auf ihrem Weg weiterhilft. Und alles andere, die Lebenserfahrung und Weisheit, die man und sicher auch hier im Laufe seines Lebens noch erfahren wird, ist ja doch überwiegend dem Leben, den Erfahrungen des Lebens selbst geschuldet und nicht Büchern und Redensarten. Sein Ansinnen, als Bürger eines der reichsten Staaten der Welt hätte ich Geld für einen Jugendclub herauszurücken, konnte ich von meinem Standpunkt nur zurück-weisen. Auf solche Arroganz zahle ich meist in gleicher Münze. Es ist leicht das Geld anderer arbeitender Menschen auszugeben. Ich war ungehalten und ungerecht, verwies auf Maos Worte, der seinerzeit die Losung ausgegeben habe, „alles aus eigener Kraft“, und strich heraus, daß Geschenke, für die man sich nicht selbst gemüht habe, nur selten eine gute Wirkung haben. Diese Argumente kenne er, wehrte er sofort ab und unterstrich seine Ansprüche.

Zuvor hatte ich mich mit Rama, meinem Porterguide, unterhalten. Er hat zwei Brüder und eine Schwester. Sein Vater (50), seine Mutter (45) und sein älterer Bruder (30) und er selbst (26) mit ihren beiden Frauen leben zusammen im Haus der Eltern - überwiegend von der Landswirtschaft. Er arbeitet jedes Jahr jeweils von September bis November als Porterguide, andere Einnahmen haben sie nicht. Er selbst hat 2 Kinder, 5 und 7 Jahre alt, der ältere geht auf eine Privatschule, für die monatlich etwa 6000 Rs, also 60 $, zu zahlen sind. Der ältere Bruder hat auch zwei Kinder, die jeweils etwa ein Jahr älter sind, als die von Rama. Den jüngeren Bruder(20) hatte ich schon in Dhading kennengelernt, er hat auch 2 Kinder, lebt dort im Haus seiner Frau und arbeitet auch auf deren kleiner Farm. Die 34jährige Schwester ist schon länger aus dem Haus heraus. Rama hatte gut gekocht. Das niedliche Zimmer fiel mir durch seine liebevolle geschmackvolle Einrichtung auf, zwischen den beiden Betten stand ein kleines Tischchen mit Tischdecke, einige Bilder - einfache Reproduktionen dekorierten die Wände. In der Nacht war es mächtig kalt, so daß ich erwachte und fröstelnd schon um meine Tour fürchtete. Ich griff mir die bereitliegende 2. Decke und legte sie noch über meinen Schlafsack. Das Ganze muß sich ziemlich bald nach dem stets sehr frühen Zu-Bettgehen abgespielt haben, denn als ich viel später nach der Uhr sah, war es erst 1 Uhr. 700 Rupien, also 7 Dollar, waren für alles, also das nachmittäg-liche gute kalte Bier, die von Rama bereitete vorzügliche Mahlzeit zu Abend, die Übernachtung und die beiden black Tees als Frühstück zu zahlen. Rama aß meistens schon zum Frühstück eine warme und recht große Reismahlzeit, die sich von den übrigen Mahlzeiten kaum unterschied. Ich hatte mich schon früh auf mein Müsli eingerichtet, auch um diese Eintönigkeit zu vermeiden. Vor Jahren - 2003 - hatte ich ja bei Sissliy, meiner damaligen Begleiterin in China gesehen, daß sie und vermutlich auch die große Mehrheit der Chinesen in ähnlicher Weise kaum große Unterschiede zwischen den Mahlzeiten machen.


5. Tag, Donnerstag, 6. 11. 08, Philim - Deng
Um 7. 56 Uhr marschierten wir los, zunächst mal mit Schal und geschlossenem braunen Levis-Hemd. Reichlich ramponiert, ich glaube nicht, daß es die Gesamtreise übersteht. Am Morgen nahm ich mir doppelt frische Strümpfe. Beide Sockenarten müssen dringend gewaschen werden. Das hätte ich heute hier tun können, denn wir erreichten Deng schon um 12. oo Uhr. Die Sonne schien lieblich, viel ging es durch schattige Schluchten, natürlich mit dem üblichen Treppauf, Treppab. Gott sei Dank, daß die hier überall die Stufen gebaut haben, anders wären die Höhen- und Tiefenunterschiede auch kaum zu bewältigen, [Auf der Strecke zwischen dem Paß und Bimtang habe ich später noch recht unangenehm gemerkt, wie es sich ohne solche Stufen abwärts geht.] Gelegentlich ging es über großartige überhängende Felsvorsprünge - aber es führt ja kein anderer Weg nach Küßnacht. Die Menge der Bäche war ausreichend, so daß ich stets genug zu trinken hatte und auch Gelegenheit bestand, mir das Salz aus den Augen zu waschen. Das dunkle T-shirt war wieder ganz schön schweißnaß, Flucht aus der Zivilisation als eines meiner Motive hierher zu reisen. Um so ärgerlicher ist es, wenn auch keineswegs irgendwie erstaunlich, daß die Wege nahezu übersät sind von Plastikmüll jeder Art, in denen die Cookis und diverse kleine Bonbons der einheimischen Träger eingewickelt waren. In der Regel wird ja mit Holz gekocht, Gasflaschen etc. und auch einige Mülltonnen in Philim und Jagat sind reine Konzessionen an den Umweltfimmel der Deutschen und Europäer. Wahrscheinlich sind es nur wir, die an diesen Dingen Anstoß nehmen. Als ich noch ein Kind war, hörte ich meine Mutter derartige Abfälle in den Wäldern des Havellandes als „Berliner Edelweiss“ titulieren. Welche Freude dann als mir hier sogar Äpfel, frische Äpfel, angeboten wurden, nicht gerade schön anzusehen, aber um so leckerer im Geschmack. Ich habe es mir dann wieder bei einem Bier, einem Tuborg Gold in der Sonne gemütlich gemacht. Wir waren ja wieder zeitig hier, aber schließlich entsprach es genau der Strecke, die ich mir für heute vorgenommen hatte. Hier wird überwiegend mit Dampfdrucktöpfen gekocht. Direkt unter der Lodge sind von den Trägern wieder einige Zelte aufgestellt worden, und es sind inzwischen eine ganze Menge Menschen hier. 17. o9 Uhr, 16,8 o C.

6. Tag, Freitag,7.11.08 Deng - Namrung

Auch hier in Namrung gab es am Abend Strom und ich habe wieder, (zum 2. Mal), meine Akkus vom Fotoapparat auf Vordermann gebracht. Ich traf auf eine große Gruppe von ca. 14 Holländern, darunter auch viele schöne Frauen, wir tauschten Erfahrungen und Eindrücke aus, seltsamerweise habe ich nichts aufgeschrieben. Ferner traf ich zwei Schweizer, einer Umwelttechnologe, der andere in der Unterhaltungs-elektronik tätig. Mit beiden führte ich lange Gespräche, und einige Anregungen literarischer Art und auch zur Gestaltung der Indien-Reise gingen auf diese zurück (Hyderabad und Hamfi). Ferner drei Elsässer, [wir haben uns noch oft gesehen, auch noch in Bimtang und Tillje, wo wir uns beim Reiswein verabschiedeten, ohne zu ahnen, daß es das letzte Mal sein würde.] Toni ist Spezialist für Atomenergie, arbeitet an einer staatlichen Institution in Straßburg mit insgesamt ca. 1500 Kolleginnen und Kollegen, zum Zeit ist er viel am CERN in Genf. Auf der langen Strecke fielen mir vor allem im letzten Wäldchen die uralten, dicken und hohen Bäume auf, erinnerten an tropischen Regenwald, obwohl wir hier schon so hoch sind, daß Bananen und anderes tropisches Gewächs schon längst keine Chancen mehr haben, abends dann wieder ein leckeres Abendbrot, mit klein geschnittenen frischen Möhren und ebenso der frische Rettich. Die Einsamkeit und Abgeschiedenheit der Lage weckt und schärft den Sinn für Teile unserer Nahrung, die wir sonst oft recht achtlos in uns aufnehmen.


7. Tag, Samstag, 8. 11. 08 Namrung - Sama

Von den Elsässern verabschiedete ich mich in Lho in 3020 m Höhe gegen 12. oo h bei herrlichem sonnigen Wetter, ich hatte zwei Milch-Tee zu mir genommen, wollte aber doch noch weiter nach

Sama (Gaon), schon wegen der Höhe und der möglichst langen Akklimationszeit. Wenig später, inShyalla , stießen wir auf große und kräftig wirkende Lasttiere, die Holz und andere Großlasten transportierten, auch Reis aus Tibet, nur in größeren Portionen als das von den Eseln und Maultieren getragen werden konnte. Überhaupt wirkt das hier oben wohlhabender als auf den Abschnitten, die den Anfang der Tour ausmachten. In Lho schien es auch ein neues Gompa zu geben, aus „Zeitgründen“, den allzeit eigentlich uneinsichtigen, wollte ich weiter, verzichtete auf einen Besuch.

 

8. Tag, 9. 11. 08, Sonntag, Sama.
Ruhetag, ich schlief gut, obwohl (oder weil ?) die Temperaturen jetzt wirklich ganz runter gehen, wenn die Sonne weg ist, sind´s schnell 6 o C. Gestern abend, Abendessen allein, Bratkartoffeln mit Spiegeleiern - in Einzelraum, nicht so mein Gusto, aber wahrscheinlich war die Küche auch schon von den beiden englischen Frauen belegt, eine -ältere - ziemlich krank - von den Strapazen, Erkältung plus Höhenkrankheit. Sie schien zu einer Gruppe von 17 Östereichern zu gehören, später habe ich ihr von meinen vielen überflüssigen Kopien meines Kartenmaterials einiges überlassen, als ich merkte, daß es ihr daran mangelte. Auch hatten ich den Eindruck, daß sie erst wegen ihrer Krankheit vom Zelt in die Lodge gezogen war. Heute morgen wusch ich meine Wäsche, ich hätte mir mehr Mühe geben und mehr Aufwand betreiben können, ohne warmes Wasser, ist es für mich natürlich auch eine Art Seiltanz. Machte dann zusammen mit Rama einen halbherzigen Spaziergang in Richtung Manaslu-Basiscamp, eigentlich abgebrochen, Rama kannte den Weg nicht recht. Einen anderen Berg in Richtung eines gletschgespeisten Berg-Sees begannen wir zu besteigen, es war jedoch schwierig, den richtigen Pfad zu finden. Wir versuchten, ein Gompa zu besichtigen, was jedoch geschlossen war, dann entdeckte ich schwere Schäden an der Besohlung beider Bergschuhe. Was nun? Gestern abend beide Teile meiner langen Thermo-Unterwäsche eingesetzt und auch mit ihnen geschlafen. Heute morgen wieder Müsli, für letzteres hatte ich mir übri-gens in Kathmandu noch reichlich Milchpulver besorgt, das war gut. Entdeckte, daß einer meiner Zähne locker ist, nur seine beiden Nachbarn schienen ihn am Heraus-fallen zu hindern. 13,7 o C. 15. 51 Uhr Sama Gaon in meinem „verglastem“ Lodge-Zimmer


9. Tag, 10.11. 2008, Montag, 6. 3o Uhr Sama - Sando
Heute geht´s nach Samdo, dem vorletzten Ort vor Daramsala, dem Startpunkt für den großen Sprung über den Larkya-La. Der Sprung wird lang dauern, ca. 10 h, und eben ganz oben in der dünnen Luft und Kälte, Na, zwei Tage sind´s ja noch. Rama war schon die ganze Zeit dabei, sich zu erkundigen, ob der Paß gangbar sei. Da jedoch kaum Menschen die Route in der Gegenrichtung laufen, konnte er da meistens nur wenige Gerüchte erfahren. Er kommt mir wie ein Kommunikations-künstler vor, mit den Trägern der anderen Gruppen ist er ständig im Gespräch und auch schnell dabei, ein Spielchen zu machen. Jetzt ist´s 6. 4o Uhr. Um Halb begann die Sonne in meine Kämmenate zu scheinen. Vorhin waren es noch 5,2 o C , jetzt sind es schon 5,8 o C , Klo, Müsli-Frühstück sind absolviert. Der Ort soll etwa 45 Häuser mit ebenso vielen Familien von jeweils 7-8 Personen haben, also 400 Einwohnern, der nächste Ort, informiert mich Rama, sei deutlich kleiner, etwa halb so groß. Die beiden Schweizer aus Basel, vor allem der Musiker, rieten mir für meine Indienreise HAMPI und Hyderabad zu besuchen. Es liegt wohl im nördlichen Teil von Südindien und es sei sehr heiß. Ferner die Literaturempfehlung: Trojanow, der Weltenbummler. Morgens 2 black tea. 2370 Rs für die beiden Nächte.

 

 

10. Tag, Dienstag, 11. 11. 2008 6. 30 Uhr Samdo

Heute also Bernhard’s 75ster, (..) Nun also ein erzwungener Ruhetag, es ist nicht das Wetter, es sind nicht die Zähne, auch nicht die Malaise mit den Schuhsohlen. Dharamsala ist nicht besetzt. Gestern nachmittag seien die drei Owner, die Eigentümer des Rest-Hauses, hier vorbei gekommen. Und Rama sagt, wenn es dort nichts zu essen gibt, schaffe er das nicht. Von hier seien es 11 Stunden bis Bimtang - schnelles Gehen - nicht slow. Zum Teil ist das ja auch einleuchtend. Ich bin natürlich der gegenteiligen Meinung: 12 Stunden - ich habe um eine erhöht - das schafft man schon mal. Obwohl es eine Viecherei ist. Insbesondere der Aufstieg zum Paß soll durch viel Wind gekennzeichnet sein. Das sind etwa die ersten vier Stunden ab Dharamsala. Wenn man von dort früh genug aufbricht, ist der Wind noch nicht so stark. Kurz und gut: wir bleiben einen Tag länger hier in Samdo.

Ich hatte diesmal wieder Zugang zur Küche, das heißt, ich konnte Zeuge des dortigen Lebens sein und bin auf die Fotos gespannt. Die Tibeter, die hier ihr Holz holen, haben gestern Abend hier Station gemacht, ihr Holz abgeladen, die großen Tiere zusammenge-trieben, jedem Tier heute morgen einen Sack Heu vorgeworfen. Die vier Treiber schliefen in zwei Jurten, einer Art von Zelten mit einer langen Öffnung an der Firststange für den Rauchabzug ihres Feuers. Ich konnte das durch das Fenster meines Schlafraumes - quasi vom Bett aus - gut sehen. Als gestriges Abendbrot gab es in Öl gebratene Kartoffeln mit Aglio, recht lecker. Die 6 oder 7 Träger und Guides der beiden Schweizer waren viel dabei, alberten, machten Späße. (..) Bei Ankunft hatte ich mir ein Tuborg (650ml) genehmigt, später 2 Milchtee. Auf dem lange besonnten Platz unweit der Zelte der Schweizer döste und schlief ich ein wenig. Unser Aufstieg erfolgte ja im Gegensatz zu dem der Schweizer in der Sonne, so daß der ganze Tag eigentlich recht lieblich war, einmal wanderte ich durch das Dorf bis hin zu den abgeernteten Feldern und Pferdekoppeln, wo jene Tiere noch die letzten Pflanzenreste aus der Erde zupften. Unterwegs bemerkte ich, daß die Bauern offenbar die Hauswände und die Mauern ihrer Gehöfte mit Kuhfladen bepflastert haben. Wahrscheinlich gewinnen sie auf diese Art Heizstoffe für die (offenen) Öfen und Kochherde. Als die Sonne gegen 15 Uhr verschwand, ging die Temperatur schnell auf 10 Grad und darunter. Das Bauernpaar, das die Lodge unterhielt, fütterte ihre siebenköpfige Mauleselherde. Spezialbouletten waren da vorbereitet worden, z. Teil gekocht, was da im Einzel-nen enthalten war, konnte ich nicht herausfinden. Es roch lecker aus den Schüsseln und erinnerte mich sehr an das Futter, das vor fast fünfzig Jahren mein Großvater aus heißen Kartoffeln, Brot, Eierschalen, Körnern und weiteren Spezialzutaten für die Hühner fertigte.

Inzwischen ist es 7. o7 Uhr. Hier drin sind es noch immer 5,9 o C . Bis eben saß ich in langen Unterhosen und Pull-      riesige Holzläger, gewaltige Balken, kräftige Yaks
over auf meinem Bett, bin jetzt doch                für den Transport in`s nahe Tibet
noch einmal in den Schlafsack gestiegen, wenigstens bis zum Po. In der Nacht habe ich nicht gefroren, hatte mir noch eine zusätzliche Decke geben lassen und war dann mit fast allen Kleidungsstücken im Schlafsack. Der langen braunen etwas dickeren Über-hosen hatte ich mich entledigt und auch der Daunenweste. Wenn man schon um 7.00 Uhr ins Bett geht, und das beinahe täglich, dann ist´s nicht so leicht bis 5. oo h durchzuschlafen. Ich hatte also immer wieder Gelegenheit meine Körpertemperaturen zu überprüfen, ob nicht das Ausziehen von einen weiteren Kleidungsstücken möglich, oder zweckmässig wäre. Geräusche von Kleintieren, ich vermute Mäuse, ihr Gerenne, Gequiecke in fasst allen Ecken und Flächen des Raumes weckten natürlich immer wieder meine Aufmerksamkeit. Griff nach der Taschenlampe, Blick auf die Uhr etc. Schon in Sama waren ja vermutlich derartige Tiere an meinem Trinkbecher und hatten ihn vom Fensterbrett gestossen. Die beiden Baseler sind schon vorhin auf eine Hill mit guter Aussicht aufgebrochen. Ich genieße gern diesen Tag der Ruhe. Und morgen gehen sie ja dann nach Dharamsala - und Rama kann auf jeden Fall von denen dort sein Mahl erhalten. Die drei Elsässer müßten ja auch heute im Laufe des Vormittags hier eintreffen. [Tatsächlich kamen einige ihrer Träger schon bald, so daß wir doch bald nach Dharasala aufbrachen.] Die beiden Zelte der Tibeter sind inzwischen schon flach gelegt, obwohl die Feuer noch brennen. Das Holz ist noch zu verladen. 7. 27 Uhr, 6.0 Grad C .

Gegen 10. oo Uhr brachen wir auf und waren um 14 Uhr in Dharamsala, genau in dem Moment als dort die Sonne verwand. Wir waren die Ersten. So reservierte Rama in der völlig leeren und unwirtlichen aus drei Räumen bestehenden Steinhütte im nördlich vom Eingang liegenden kleinsten Raum gleich an der Trenn- wand zwei Schlaf- plätze für uns beide.
Ich kleidete mich schon jetzt so um, daß ich schlaffertig wäre, alles Feuchte zog ich aus, bekleidete mich mit dem langarmigen Thermo-U-hemd, dem langärmligen Hemd, der Thermo-U-hose, den langen braunen Hosen, Pullover, Daunenweste und roter Jacke. Kaum war ich damit fertig, kamen zwei
      Die Holzlager, die nahen Klöster, die Berge, alles eins                      weitere Gruppen:
die 13 + 3 Elsässer. Ursprünglich waren es mal 17 Träger und Guides. In der letzten Nacht hätte es eine Schlägerei gegeben, so daß z. B. einer heute morgen gegangen sei. Ferner hätten am Anfang der Tour auch zwei weibliche Träger zur Crew gehört, die aber aus Krankheitsgründen schon viel weiter unten schon ausgeschieden seien. Eine zweite große Reise-Gruppe kam aus der Ukraine. Zu dieser Gruppe gehörten auch drei Deutsch-Russen aus Münster und einer aus München. Rama hatte für mich organisiert, daß der Koch der Elsässer gegen ein kleines Trinkgeld (1000 Rs.) ihm und mir heißen Tee und Essen zur Verfügung stellen würde, so wurde ich gleich zum Tee gebeten. Anschliessend spielten wir vier Touristen im Aufenthalts-zelt der Elsässer Karten und plauderten miteinander. Als Abendbrot gab es eine mehrgängiges Menu: Vorsuppe mit Nudeln, Eier, Reis und Gemüse als Hauptgang, drei Scheiben Ananas für jeden als Nachspeise und natürlich Tee bzw. Kaffee (nebst Keksen). Ein Menue im Interconti hätte nicht besser schmecken können. Die Temperatur in jenem Zelt war 2.0 o C.


(Es folgt der 11. Tag, 12. 11. 2008, Mittwoch, Dharamsala - Bimtang,
im oben schon abgedruckten ersten Brief „danach“ - dem 1.Kurzbericht enthalten.)

 

 

 

 


 

 

 

12. Tag, 13. 11. 2008, Bimtang - Tillje
Noch bin ich in Bimtang und habe erst einmal diese Aufzeichnungen begonnen. Um 16.15 Uhr erreichten wir Tillje. Etwa zwei Stunden zuvor hatten wir bei bestem Sonnenschein eine Pause eingelegt, derweil Rama sein Mahl einnahm und ich für 50 Rs, fünf Äpfel kaufte. Sehr schöner Marsch, überwiegend durch schöne Wälder, gelegentlich längere Partien gewaltiger Steinschläge, 300 - 400 m lang, vielleicht auch verursacht durch Stauwasser, ein solcher Stau könnte ja durch Eis entstehen. Riesige Mengen von Material, Geröll, Steine müssen hier vor gar nicht mal so langer Zeit gestürzt sein, die fast eben liegenden Steine zeigen kaum Verwit-terungsspuren. Sie liegen aber so als seien sie vom Wasser in gleiche Höhe gebracht worden, sicher auch durch Aufstauungen, denn sie waren z.T. nicht geglättet. In Tillje erwischte ich ein sehr schönes Hotel, fein eingerichtet mit großem Gastraum, sorgfältig gearbeitete holzgetäfelte Wände. Für den Abend hatte ich mich mit den drei Elsässern hier zum Umtrunk verabredet, Rhaki, wir tranken chinesischen Reiswein, sicher hier destilliert. Anständiges Klo, wieder Strom, ich hatte also die Möglichkeit, die Batterie meiner Digitalkamera aufzuladen. In der Nacht Wasser geholt, Milch kalt getrunken. Morgens drei Lemon-Tee, ein schwarzer Tee, 1 Milch-Tee, Abends: Gebratene Eier mit Bratkartoffeln.


13. Tag, Freitag, 14. 11. 08 Tillje - Tal
Viertel nach Acht marschierte ich los. Gegen 13. oo Uhr war ich in Tal, 1 ½ Stunden dauerte es bis Daraphani, sowas wie die Zivilisation hat mich wieder. Mit der Abgeschiedenheit und Verträumtheit, aber auch Ruhe, Intimität, Beschwerlichkeit und Primitivität ist Schluß. Massen von Touristen begegnen einem. 14. 5o Uhr - jetzt verschwindet die Sonne hinter den Bergen, gleich heißt es, sich warm anziehen. Das Hotel hier hat einen Garten, der wegen seiner Palmen und verschiedenartigen Blumen seinen Namen verdient - Hotel Paradieso. Manang 2004 - My Schangrila -. Jetzt ist es schon recht leer geworden. Ich genehmigte mir eine Büchse köstlichen vietnamesischen Orangensaftes und mein Bier habe ich auch noch nicht fertig. Ich habe mich an meinem rechten Schuh zuschaffen gemacht, damit er möglichst die beiden verbleibenden Tage bis Besirsahar noch durchhält. Meine Kleidung, speziell die T-shirts riechen schon leicht säuerlich. Ich trage wohl drei Stück im Wechsel und habe keine Überblick, wann oder ob sie in Samdo von mir gewaschen worden sind. Na - die verbleibenden drei Tage (2 Geh-Tage, einen Tag für die Busfahrt nach Kathmandu) werden sie auch noch überstehen. Leider sah ich heute die drei Elsässer nicht mehr; schade - vielleicht in KTM. Wir laufen ja an sich paralell, d.h. sie müssten auch noch hier in oder bei Tal sein. Wie üblich war ich zu schüchtern, sie um ihre Anschriften zu bitten. [Es ist in der Tat dann leider nicht mehr dazu gekommen. Ich traf sie nicht mehr. Nur die Schweizer sassen dann schon in dem Bus, den ich in Besirsahr bestieg. Offenbar reisten die beiden jedoch in Richtung Pokara und verliessen den Bus deshalb zwischendurch.] Heute Freitag, unterwegs 2 Lemon tee, 1 vorzüglicher nicht überwürzterApple Pie. „Die DDR mit Arbeiter- augen sehen“, mache ich mir was vor, wenn ich es hier schmutziger finde. Es lohnt sich nicht die Ausscheidungen der Tiere zu
                    Einsamer Flechter, aus den Höhen "Schangrilas"             verbrennen, so kommt
mir der Weg doch deutlich stärker verschmutzter vor als der zur Umrundung des Manaslu gehörenden Teil bis Dharapani. Umd 13.00 Uhr war ich in Tal, netter Abend mit einem „älteren“ Paar aus Bonn, er 54, sie sind die Annapurna- Tour in umgekehrter Richtung gegangen, haben also ganz schön was geschafft. Ich weiß ja, daß diese Tour in der von ihnen gewählten Richtung deutlich schwerer zu absolvieren ist. Sehr angenehme Ausstrahlung. Für Übernachtung 150; Bier 260, 1 l heisses Wasser, 2 Milch zus. 45 Rs, Apfel-Müsli (nicht so überzeugend), Mushroom - Pizza 260, Corn-Bread 90 Rs. Extra-Portion Käse 60, sehr lecker, habe alles in allem 1215 Rs bezahlt -also 12 $.


14. Tag, Samstag, 15. 11. 08 Tal - Jagat
Losgegangen bin ich guter Dinge um ½ 9 Uhr. Die Fäkalien der Tiere, die Vielzahl der Tierkarawanen und die der Touristen hat mich genervt, am meisten aber sicher die ständigen Probleme mit den Schuhen, die ja nur zunahmen, schließlich und endlich löste sich die Sohle rechts nahezu völlig, das war kurz vor Jagat, also eine Stunde vor dem ins Auge gefassten Ziel Syange. In einem Teehaus nahm 3 schwarze Tee und 10 bzw. 12 Mandarinen zu mir, da war die Freude groß. Im Kleinen ist es wohl sowas, wie die ersten Tauben, die Columbus getroffen haben soll, kurz bevor Land in Sicht war, eben Vorboten der Zivilisation. (Zus. 180 Rs). Hier in Jagat kaufte ich Klebstoff und einen wieder leckeren O-Juice (zus. 95 Rs.. Das hängt ja alles von der eigenen Gefühls- und Mangellage ab, wie es schmeckt. Jetzt kommt der bestellte Apple Pie. Gegen ½ 2 kamen wir hier am Tibetischen Hotel am Ortsausgang (Richtung Syange) an. ( Dieses Jagat sollte nicht mit jener anderen noch weit vor dem Paß liegenden Ortschaft gleichen Namens verwechselt werden.) Ich beeilte mich meine beiden Berg- schuhe zu reinigen - im Hinblick auf notwen-dige Trockenzeiten um den Alles- kleber anwenden zu können. Dann ging auch schon die Sonne weg, noch vorher wusch ich 4 Paar meiner verschmutzten Socken ..., aber wegen der noch vorhandenen Feuchtigkeit der Schuhe muß ich das mit dem Alles- kleber auf die Frühe des folgen den Tages verschieben. 8 Stunden, etwas
mehr als ein Tag, sind es noch bis            Häufige und lange Erdrutschstrecken - gewiß
Besirsahar. Ab Syange, 1 h von hier, soll es einen Jeep geben. Aber sicher könnte ich von da ab auch mit Sandalen laufen, warten wir es ab, kaum war ich jedenfalls mit meiner Wäsche fertig und konnte mich auf das Bier stürzen, war dann auch die Sonne weg. Das Hotel ist ge-diegener und wohl auch älter das gestrige, aber es fehlt der Garten, und sonnen- und blickmäßig kann es nicht mithalten. Hatte mich denn bald umgezogen, die etwas dickere dunkelbraune Hose, andere T-shirt, langärmliges Jeanshemd. Jetzt ist´s 16. 11 Uhr. Ich sitze noch draußen - kein direkter Grund - reinzufliehen. Viele junge Menschen, aber beachtlich viele ältere, die sich diese Tour zutrauen. Noch etwas später tröpfelte eine Gruppe von vier Chinesen ein. Ich sprach sie an, sie kamen nicht aus Hongkong oder gar Taiwan. Die vier kamen aus Chengdu, Schanghai und anderen chinesischen Städten. Erst in Schanghai im Flugzeug nach Kathmandu hätten sie sich kennengelernt. Die junge Frau, die ich angesprochen hatte, äußerte sich dann gleich über die „chinafeindliche“ Haltung der deutschen Regierung. Wenn unsere jetzige oder deren Vorgängerregierung es wagt, mit dem Dalai Lama überhaupt nur zu sprechen oder - meist ja keineswegs öffentlich - eher unangenehme Fragen zu stellen, dann wird von Seiten der chinesischen Regierung in den Medien wohl gleich eine Kampagne gegen Deutschland eingeleitet. Frankreich verhält sich da ja wesentlich opportunistischer, und diese Art von Wohlver-halten wird von Seiten der chinesischen Partei wohl auch honoriert. (Wie sich die Zeiten ändern, jetzt fünf Monate später, da ich den Text abtippe ist nun gerade Frankreich in Ungnade.) Etwas habe ich über die Tatsache hier vier chine-sische jungen Menschen zu sehen, gestaunt, kaum älter als 25 Jahre werden sie gewesen sein. Sie benötigen ja einen Paß und die notwendigen Devisen. Aber da ja nun seit fast einem Jahr enge ideologische Freunde der in China regierenden Partei auch in Nepal die Regierung stellen und auch sonst eine Menge Geld von China in den Straßenbau oder für andere Infrastrukturmaßnahmen Nepals zum Beispiel investiert wird, sind derartige touristische Unternehmungen sicher hochwillkommen.


15. Tag, Sonntag, 16.11.08, Jagat - Bhulebule
Speicherkarte für die Fotos voll, daher gewechselt.


16. Tag, Montag, 17. 11.08 Bhulebhule - Besisahar
letzter Tag der Wanderung, 7.56 - 10.16 Uhr, in Besisahar den Bettbezug und die Schuhe reparieren lassen.


17. Tag Dienstag, 18. 11. 08, Besisahar - Kathmandu vgl. den Brief an Rose viele schöne Blicke,, insbesondere die Blumen und Blüten, mit denen die ihre Umgebung schmücken- Kurz vor Dumre schienen mir große Arbeiten füe ein Wasserkraftwerk (?) im Gange zu sein, sonst auch diverse Schürfeinrichtungen, Maschinen zur Zerkleinerung von Flußsteinen in Sand und Zement, ja die Erinnerungen an die Formen mit denen Sand zu Steinen geformt wurden, gehören wohl nach Ekuador und Peru. [ich habe kurz nach dieser Reise hier noch mal einen Teil meiner alten Südamerika-Fotos von 1995 durchgesehen, und fand in ihnen tatsächlich jene Bilder]. In KTM besorgte ich mir auch gleich den SPIEGEL und genoß die vollen Segnungen der Zivilisation (Croissant, Bamboo-Dachgarten, Weißwein) .

Weitere Fotos von der Wanderung finden sich in der Fotogalerie I